Vortrag im Welthaus mit Kassem Aina ab 19 Uhr
Ausgeschlossen aus der libanesischen Gesellschaft lebt die Mehrzahl der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon in desolaten Wohnverhältnissen in den überbevölkerten „Flüchtlingslagern“ der UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for the Palestine Refugees in the Near East). Ohne Arbeitserlaubnis in den meisten Berufen, ausgeschlossen vom staatlichen Bildungs- und Krankensystem leben 80% der ca. 250.000 Flüchtlinge unter der nationalen Armutsgrenze und sind vollständig auf Hilfe von außen angewiesen. Die UNRWA als einzige für die palästinensischen Flüchtlinge zuständige UN-Hilfsorganisation sorgt für eine Basis-Infrastruktur in den Lagern, für Bildung, medizinische und Notfall-Hilfe. Sie steht unter massivem finanziellen und politischen Druck vor allem seitens der USA und Israels.
Im Libanon sind jetzt Öffnungszeiten für die Schulen und die medizinischen Ambulanzen von 5 auf 4 Tage reduziert, wobei die Angebote seit Langem völlig unzureichend sind. Die Zuschüsse für Krankenbehandlungen sind von 90% auf 10% gesunken. Die vielen kleineren in den Lagern arbeitenden Nichtregierungsorganisationen können die Lücken nicht schließen. Anstatt Förderung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und eine unabhängige und selbstbestimmte Zivilgesellschaft zu entwickeln, muss immer mehr Geld in Notfallprojekte fließen.
Kassem Aina, der Geschäftsführer der NRO The National Institution of Social Care and Vocational Training (NISCVT) und seit 30 Jahren Partnerorganisation des Tübinger Vereins Flüchtlingskinder im Libanon e.V. berichtet über die aktuelle Situation im Libanon.